Upländer BauernmolkereiUpländer MUHSEUMBio Bauern Beteiligungs AG

Einleitung

Ungewöhnliche Konzepte und Projekte begleiten die Upländer Bauernmolkerei seit ihrer Gründung 1996. Zu einer Zeit, als viele kleinere Molkereien geschlossen wurden und das Übernahmekarussell sich immer schneller drehte, hatten einige Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern der 1986 in Nordhessen gegründeten Milcherzeugergemeinschaft Waldeck (MEG) gemeinsam mit Biolandwirten aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen die Upländer Bauernmolkerei GmbH gegründet. Ziel war es, die 1994 von den Milchwerken Köln-Wuppertal („Tuffi“) stillgelegte regionale Molkerei in Usseln wieder zu beleben. Nach der Schließung waren nicht nur 33 Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfungsmöglichkeiten verloren gegangen, auch 290 Landwirte mussten ihre Milch zu anderen Molkereien liefern.

Zugleich fehlte es den Biobauern der grünlandreichen Region Waldeck an Absatzmöglichkeiten für ihre Milch. Anfangs wurde die Milch in einer kleinen Privat-Molkerei in Lichtenfels-Sachsenberg verarbeitet. Die große Nachfrage von Landwirten, die ihre Milch über die MEG vermarkten wollten (1995 war die Milchmenge der 18 liefernden Betriebe auf 1 Million Liter gestiegen) und fehlende Perspektiven in der Molkerei führten zur Übernahme der stillgelegten Molkerei in Usseln.

Neue Konzepte

Hinter der Upländer Bauernmolkerei steckt dabei ein außergewöhnliches Konzept, denn die Landwirte der Milcherzeugergemeinschaft liefern nicht nur die Milch, sie verarbeiten und vermarkten sie auch in eigener Regie. Die Anteile an der Gesellschaft werden mehrheitlich von den Bio-Landwirten gehalten, daneben sind Privat- und Geschäftsleute sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Gesellschafter der Upländer Bauernmolkerei. Um das Projekt zu unterstützen, hat der BUND einen Beteiligungsfonds aufgelegt, mit dem der Molkerei Kapital für Investitionen zur Verfügung gestellt wird. Weiterer Gesellschafter ist die BiobauernbeteiligungsAG, deren Aktionäre das besondere Molkerei-Projekt ebenfalls unterstützen.

Heute liefern 130 Landwirte jährlich 30 Millionen Liter Bio-Milch an die Molkerei. Daneben verarbeitet die Molkerei ca. 4 Millionen Liter konventionelle Milch. Bis heute sind über 30 neue Arbeitsplätze entstanden.

Bio und regional

Die Betriebe, die Bio-Milch zur Upländer Bauernmolkerei liefern, gehören dem Bioland-Verband oder anderen anerkannten ökologischen Anbauverbänden an. Die Milchprodukte werden unter „Bioland“ vermarktet. Das Konzept der Molkerei ist regional. Der größte Teil der Milchprodukte wird an Kunden in das Gebiet geliefert, aus dem die Milch stammt. Einige Spezialitäten werden bundesweit vermarktet. „In jedem Liter Milch steckt ein schönes Stück Region“ – mit diesem Slogan macht die Bauernmolkerei auf ihren Vermarktungsschwerpunkt aufmerksam.

Außergewöhnliche Projekte

Dank kreativer Ideen und starkem Einsatz der Mitarbeiter und Gesellschafter ist die Upländer Bauernmolkerei nach schwierigen Anfängen nun auf einem guten Weg. Die Einrichtung des Upländer Milchmuhseums und ökologischen Informationszentrums im alten Produktionsgebäude hat dazu ebenso beigetragen wie das Bio-Schulmilchprojekt und das Projekt Erzeuger-fair Milch. Als erste Molkerei in Deutschland, die neben der Biomilch auch konventionelle ohne Gentechnik erzeugte Milch verarbeitet, macht die Upländer Bauernmolkerei seit Juni 2005 als erste gentechnikfreie Molkerei in Deutschland von sich reden.

Die Entwicklung der neuen Fairpreis-Strategie für regional erzeugte ökologische Produkte hatte ihren Ursprung in der existenzbedrohenden Situation der Bio-Milchbauern wegen des dramatischen Preisverfalls bei Milch seit Frühjahr 2002. Die Erzeugerpreise sanken immer weiter. Der Grundpreis für Milch in Deutschland war um über 10 % gesunken und damit einfach zu niedrig. Der Auszahlungspreis lag im Durchschnitt bei 34 Cent pro Liter Biomilch. Das bedeutete Einkommenseinbußen für Bäuerinnen und Bauern von 30 – 40 %. Die laufenden Betriebskosten konnten nicht gedeckt werden. Und der Preisdruck stieg weiter. - Schwere Zeiten für Bio-Milcherzeuger!

Das Projekt Erzeuger-fair Milch

Innovationsfreude und Nachhaltigkeit sind das Markenzeichen der Upländer Bauernmolkerei. Die Entwicklungen auf dem Biomilchmarkt, der drastische Preisverfall und die dadurch nicht mehr zu deckenden Betriebskosten stellten Bäuerinnen und Bauern im Frühjahr 2003 vor eine besondere Herausforderung: Das wirtschaftliche Überleben stand auf dem Spiel.

Im Frühjahr 2003 wurde auf der Mitgliederversammlung der Bio-Landwirte, die zur Upländer Bauernmolkerei liefern, ausführlich das Thema „Milchpreise“ diskutiert und die Versammlung beauftragte Vorstand und Geschäftsführerin nach dem Motto: „Tut was für den Milchpreis“. Zunächst einmal dachte man nur daran, Verbraucher über die Lage der Bauern zu informieren. Wie jedoch sollte eine Veränderung des Verbraucherverhaltens erreicht werden? Die Bauern können nur dann mehr für ihre Milch bekommen, wenn die Verbraucher mehr zahlen. Es musste folglich eine Möglichkeit gefunden werden, den Verbrauchern diesen Sachverhalt zu erklären, sie zugleich zur Zahlung eines höheren Preises für die Milch zu bewegen und gleichzeitig beim Handel sicherstellen, dass das zusätzlich eingenommene Geld wirklich bei den Landwirten ankommt. Das Projekt „Erzeuger-fair Milch“ war geboren.

Ziel sollte es sein, direkt bei den Verbrauchern anzusetzen und diesen die Möglichkeit zu geben, mittels eines festgelegten Aufpreises für die Milch die regionalen Landwirte direkt zu unterstützen. Wichtiges Element war dabei, diesen an die regionalen Landwirte gehenden Preisaufschlag transparent zu erklären und kenntlich zu machen. Eine versteckte Preiserhöhung sollte in jedem Fall vermieden werden. Auf diese Art sollte der Verbraucher selbständig entscheiden können, ob er bereit ist, diesen solidarischen Transferbetrag zu zahlen oder lieber eine andere Milch kauft.

Erste Planungen für das Projekt begannen im Herbst 2003 und eine Förderung durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau unterstützte diese Startphase. Am 17. Januar 2005 ging das Projekt in die Praxis und die beteiligten Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern der Upländer Bauernmolkerei setzen seither mit ihrer Kampagne „Aktiv für die heimischen Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern – denn faire Preise bieten Zukunft“ ein eindeutiges Signal für die regionale Wirtschaft. Die als „Erzeuger-fair Milch“ deklarierte Milch ist im regionalen Naturkostfachhandel erhältlich, und wer sie dort kauft, zahlt für die regionalen Bauern einen Mehrpreis.

Sind Kunden bereit für einen Mehrpreis?

In Zeiten von Preisdumping und „Geiz-ist-Geil“-Slogans die Milchpreise erhöhen zu wollen, war schon ein großes Wagnis. Deshalb wurden vor der Einführung von regionaler Biomilch mit Fair-Preisaufschlag Verbraucher hinsichtlich ihres Konsumverhaltens und ihrer Motive und Einstellungen zu regionaler Milch befragt. Die Upländer Bauernmolkerei ist dazu eine Kooperation mit dem Institut für Ökonomie der Ernährungswirtschaft der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (heute MRI – Max Rubner Institut) eingegangen. Diese übernahm die wissenschaftliche Begleitforschung und eben auch besagte Verbraucherbefragung.

Die Befragung hat in ausgewählten Naturkostfachgeschäften und Lebensmitteleinzelhandelsgeschäften stattgefunden. Insgesamt haben zwölf Märkte die Möglichkeit eingeräumt, ihre Kunden zum Thema regionale Milchprodukte befragen zu lassen. Zwischen Hannover und Frankfurt, Marburg und Fulda waren etwa 600 Verbraucher gerne bereit, den Mitarbeitern vom Kieler Forschungsinstitut ihre Fragen zu beantworten.

Die Verbraucher wurden zu folgenden Themen befragt:

• Angaben zur Person und Haushalt (u.a. Alter, Bildung, Haushaltsgröße usw.).
• Kauf- und Konsumverhalten bei Milchprodukten (u.a. wo wird eingekauft, welche wöchentlichen Mengen, welche Milch wird eingekauft usw.).
• Preiskenntnis (u.a. „Wieviel kostet der Liter Milch, den Sie gerade eingekauft haben?“).

Die zentrale Frage war die nach der Zahlungsbereitschaft für Milch aus der Region. Speziell abgefragt wurden:

• Die Höhe der Zahlungsbereitschaft für Milch aus der Region.
• Die Einstellungen der Personen zu Milch, zu bevorzugten Eigenschaften der Milch und zu Präferenzen von Milch regionaler Herkunft (z.B. hinsichtlich Frische, Qualität, Umwelteffekte, Landschaftsbild).
• Die Motive der Zahlungsbereitschaft (Für welche dieser Gründe würden Sie tatsächlich einen höheren Preis zahlen?).

Wichtige Ergebnisse der Befragung sind:

• Etwa 80 Prozent der Verbraucher waren bereit einen Aufschlag von 5 Cent pro Liter auf regionale Biomilch zu zahlen. Würde die gesamte Bio-Milch mit einem Aufschlag vermarktet, musste die Molkerei folglich mit einem Umsatzrückgang von 20 Prozent rechnen. • Die Bereitschaft für regionale Bio-Milch mehr zu zahlen war bei Kunden im Lebensmitteleinzelhandel im Vergleich zu Naturkostkunden besonders groß. • Die Verbraucher im Naturkosthandel und Lebensmitteleinzelhandel wollen gentechnikfreie Milch. Dieses Ergebnis erstaunte, da Bio-Milch ohnehin gentechnikfreie Milch ist, zeigt aber, dass die Kunden noch besser informiert werden müssen.



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