Die aktuelle Milchauseinandersetzung und die Haltung der Upländer Bauernmolkerei als "faire" Bio-Molkerei
Angesichts der aktuellen Diskussion über die Milchpreise wird einmal mehr deutlich, wie wichtig eine Auseinandersetzung mit dem Thema „faire Preise“ auch für unsere heimische Landwirtschaft ist. Der Anteil Bio-Milch an der gesamten Milchproduktion beträgt 1,5 % in Deutschland. Der Milchpreis für Bio-Milch lag im ersten Halbjahr 2008 im Durchschnitt aller Bio-Molkereien bei 49,8 Cent pro Liter, die konventionellen Preise bei geschätzten 37 – 38 Cent. Der Bio-Abstand für diesen Zeitraum betrug damit 12 – 13 Cent. (Die Preisangaben beziehen sich auf 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß.) Bei ihrer Preisbildung haben sich mittlerweile 2/3 aller Bio-Molkereien in Deutschland abgekoppelt und von einem Bio-Zuschlag auf einen Bio-Grundpreis umgestellt.
Im vergangenen Jahr konnte auch eine deutliche Verbesserung der Erzeugerpreise für Bio-Milch gegenüber konventioneller Milch erreicht werden, der Abstand ist also stetig größer geworden. Als erste Molkerei zahlte die Upländer Bauernmolkerei schon im vergangenen Sommer 40 Cent für den Liter Bio-Milch. Ab November 2007 lag der Grundpreis dann sogar bei 50 Cent / Liter Bio-Milch. Die Upländer Bauernmolkerei war damit 2007 Vorreiter in der Preisentwicklung. Auch die Landwirte der Milcherzeugergemeinschaft Hessen w. V., welche ihre Bio-Milch an die Upländer Bauernmolkerei GmbH liefern, fordern einen Basismilchpreis von 43 Cent für konventionelle Milch und 50 Cent für Bio-Milch.
Als im Mai diesen Jahres der Milchstreik der konventionellen Kollegen anstand, beschlossen die Bio-Bäuerinnen und –Bauern der Upländer Bauernmolkerei einstimmig, die Forderungen des BDM (Bund Deutscher Milchviehhalter) nach einem fairen Milchpreis für alle zu unterstützen. Vor dem Hintergrund des dramatischen Preisverfalls für konventionelle Milch haben die Bio-Bäuerinnen und –Bauern zusammen mit der Upländer Bauernmolkerei beschlossen, ihre konventionellen Kollegen zu unterstützen. Aus diesem Grunde haben die Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern vier Tage lang auf ihr Milchgeld verzichtet, obwohl die Upländer Bauernmolkerei ihren Bauern schon lange faire Preise bezahlt. Die an diesen Tagen produzierte Milch wurde nicht wie sonst an den Handel geliefert, sonder zu Gunsten sozialer Projekte in Deutschland und Afrika gespendet.
Darüber hinaus wurde die Abgabe eines Solidaritäts-Cents beschlossen. Für die Dauer des Liefer-Boykotts bei anderen Molkereien wurde ein Cent je Kilogramm Milch in einem Fond für solidarische Maßnahmen zugunsten streikender konventioneller Kollegen gesammelt. In dieser Spendenaktion konnten so 14 t Bio-Butter für Tafeln im Erfassungsgebiet der Molkerei und 24 t Magermilchpulver an „Ärzte ohne Grenzen“ zugunsten unterernährter
Kinder in Afrika gespendet werden. Die Solidarität mit den streikenden konventionellen Kollegen war bundesweit einzigartig.